Cyprian von Karthago

§ 37:  Cyprian.

1. Leben.

Eine der anziehendsten Erscheinungen auf dem Gebiete der altkirchlichen Literaturgeschichte ist der edle Bischof von Karthago, Thascius Cäcilius Cyprianus. Die Vita des Heiligen unter dem Namen seines Diakons Pontius wird als echt und glaubwürdig anerkannt werden müssen (s. Hier., De vir ill. c. 68); einen weit tiefern Einblick in seinen äußern und innern Lebensgang gewähren indessen die Schriften des Heiligen selbst. Cyprian wurde gegen Anfang des 3. Jahrhunderts, vielleicht zu Karthago, geboren.  Seine Eltern waren reiche und angesehene Heiden. Er erwählte den Beruf cines Rhetors und erntete als Vertreter seiner Wissenschaft zu Karthago Glanz und Ruhm. Erst um das Jahr 246 wurde er durch einen Presbyter Cäcilius (so Hier., I. c. c. 67) oder Cäcilianus (so die genannte Vita c. 4) für das Christenthum gewonnen. Er verschenkte sein Vermögen an die Armen und weihte sich aus voller Seele dem Streben nach christlicher Vollkommenheit (vgl. seine Selbstbekenntnisse (Ad Donatum c. 3─4). Nach kurzer Zeit ward er in den Clerus aufgenommen und bald darauf, Ende 248 oder Anfang 249, auch zum Bischof von Karthago erwählt. Das außerordentliche Vertrauen, welches sich in dieser Wahl eines Neophyten aussprach, sollte glänzend gerechtfertigt werden. Cyprian eröffnete seine bischöfliche Wirksamkeit mit der Bekämpfung sittlicher Mißstände. Aber schon bald mußte er sich von seiner Herde trennen.  Zu Beginn des Jahres 250 brach die decische Verfolgung aus, und wahrhaft verheerend brauste dieser Sturm über die afrikanische Kirche. Cyprian entzog sich der Todesgefahr, blieb aber von seinem Zufluchtsorte aus mit seiner Gemeinde in ununterbrochenem Verkehr. Die Zahl der Abtrünnigen (sacrificati oder thurificati, libellatici, acta facientes) war sehr groß, und die Frage der Behandlung dieser lapsi oder der Vorbedingungen ihrer Wiederaufnahme in die Kirchengemeinschaft führte zu einem Schisma. Der Diakon Felicissimus trat an die Spitze einer Partei, welche dem hl. Cyprian zu große Strenge vorwarf, zu derselben Zeit, als ein Theil der römischen Gemeinde unter Führung des Presbyters Novatian sich von Papst Cornelius lossagte, weil derselbe in der gleichen Frage zu milden Grundsätzen huldige.  Im Frühjahr 251 durfte Cyprian es wagen, nach Karthago zurückzukehren. Dank seiner rastlosen Anstrengung sah er auch bald die Einheit innerhalb seiner Kirche wiederhergestellt. Neue Heimsuchungen nahten. Im Sommer 252 wurden weite Strecken des Römerreiches, insbesondere auch Karthago und seine Umgebung, von einer furchtbaren Pest verwüstet, und das Edict der Kaiser Gallus und Volusianus, welches zur Abwendung der Seuche allgemeine Opfer anordnete (vgl. Cypr., Ep. 59, 6), gab zu einer neuen Christenverfolgung Anlaß.  Mit der Thronbesteigung Valerians (Mai 253) trat wieder Ruhe ein.  Hebung des kirchlichen Lebens, Festigung und Ausbildung der kirchlichen Disciplin waren die Ziele der ebenso erfolgreichen wie unermüdlichen Thätigkeit Cyprians. Den Abend seiner irdischen Laufbahn sollte der Ketzertaufstreit umwölken. Die Frage, ob die von Ketzern ertheilte Taufe gültig sei, bezw. ob die von einer häretischen Gemeinschaft zur Kirche Zurückkehrenden von neuem zu taufen seien, wurde schon von Tertullian erörtert (vgl. § 36, 7. 9.).  In Uebereinstimmung mit ihm trat auch Cyprian mit aller Entschiedenheit für die Ungültigkeit der Ketzertaufe ein. In gleichem Sinne sprachen sich mehrere Concilien aus, welche unter Cyprians Vorsitz zu Karthago zusammentraten: 255, Frühjahr 256 und 1. September 256.  Papst Stephan I. hingegen verwarf diese Concilienbeschlüsse und erklärte Si qui ergo a quacumque haeresi venient ad vos nihil innovetur nisi quod traditum est ut manus illis imponatur in paenitentiam cum ipsi haeretici proprie alterutrum ad se venientes non baptizent sed com municent tantum (Cypr., Ep. 74, 1; die Entscheidung des Papstes ist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vor, sondern erst nach dem Concil vom 1. September 256 erfolgt oder doch in Karthago eingetroffen). Zu einem förmlichen Bruche zwischen Stephan und Cyprian scheint es indessen nicht gekommen zu sein. Die valerianische Christenverfolgung drängte den Streit in den Hintergrund.  Mit Stephans Nachfolger Sixtus (Xystus) II., stand Cyprian jedenfalls wieder in kirchlicher Gemeinschaft.  Stephan fiel am 2. August 257 der valerianischen Verfolgung zum Opfer. Cyprian wurde am 14. September 258 unfern Karthago, auf der proconsularischen Villa Sexti, enthauptet, der erste afrikanische Bischof, welcher mit der Martyrerkrone geschmückt wurde (s. die genannte Vita с. 19).

Quelle:

Theologische Bibliothek. Patrologie. Von Otto Bardenhewer, Doctor der Theologie und der Philosophie, Professor der Theologie an der Universität München. Mit Approbation des hochw. Herrn Erzbischofs von Freiburg.
Freiburg im Breisgau. Herder’sche Verlagshandlung.
Zweigniederlassungen in Straßburg, München und St. Louis, Mo.
Wien I, Wollzeile 33: B. Herder, Verlag.
[S. 194ff.; Digitalisat]


Eingestellt am 11. April 2026