Iwan Karlowitsch Tscherlizki (auch Johann Heinr. Tscherlitzky, 1799-1867)

Iwan Karlowitsch Tscherlizki, auch: Johann Heinrich Tscherlitzky, Jean Tscherlitzky bzw. Tscherlitzki, Czerlitzky, Scherlitzky, russisch Иван Карлович Черлицкий, Ivan Karlovič Čerlickij (* 20. November 1799 in Kasan, Russisches Kaiserreich; † 2. November 1867 [1] in Sankt Petersburg), war ein russischer Organist, Pianist [2], Musikpädagoge und Komponist.

Sankt-Petri-Kirche in St. Petersburg

Leben

Tscherlizki stammte aus einer musikalischen, lutherischen Familie. Er erhielt seinen ersten Unterricht bei seinem Vater Karl Tscherlitzki (1773–1841), der als Musiklehrer in verschiedenen Städten Russlands tätig war. 1818 kam er nach Sankt Petersburg.

Er wurde Organist an der lutherischen Katharinenkirche und gab auch Konzerte an der lutherischen Petersburger Hauptkirche Sankt Petri, an der sein Onkel Otto Leopold Czerlitzky († 1831) seit 1813 Organist war. [3] Auch dessen Söhne, Tscherlitzkis Cousins Otto, Organist an St. Petri von 1831 bis 1840 [4] und Karl, Musiklehrer am Smolny-Institut [5] sowie Tscherlitzkis Bruder Alexander (1804–1878), Klavierlehrer am Smolny-Institut [6] prägten das St. Petersburger Musikleben.

Lutherische St.-Katharinenkirche auf der Wassilij-Insel

Wassilij

Tscherlizki freundete sich mit Johannes Evangelista Goßner (1773-1858) an und gab ein Choralbuch zu Goßners Sammlung auserlesener Lieder von der erlösenden Liebe und den Liedern im Schatzkästchen heraus, das 1825 in Leipzig bei Tauchnitz erschien. Es enthält 13 eigene Kompositionen Tscherlizkis, die jedoch kaum Nachwirkung gehabt haben. Lediglich die Melodie Glorification (Gossner’s) findet sich bis heute in einigen US-amerikanischen Gesangbüchern.[7] Eine andere Melodie im Choralbuch wurde ungleich wirkungsmächtiger: Hier findet sich erstmals, vermutlich durch Tscherlizki, die Zuordnung der Melodie des in Petersburg wirkenden ukrainischen Komponisten Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski (1751–1825) zu der Liedstrophe Gerhard Tersteegens Ich bete an die Macht der Liebe. Durch seine anschließende Tätigkeit in Berlin (1826–1858) vermittelte Goßner die Melodie samt deutschem Text an den Hof des Königs Friedrich Wilhelms III. von Preußen und seiner Nachfolger, von wo aus sie Eingang in den Großen Zapfenstreich fand.

Von 1820 bis 1829 und von 1845 bis 1853 unterrichtete Tscherlizki Klavierspiel im Smolny-Institut.[2] Um 1831 war er Meisterschüler von John Field in Moskau.[2]

Seine 15 Klaviertranskriptionen von Orgelwerken Johann Sebastian Bachs, die 1844/45 in fünf Bänden in Sankt Petersburg erschienen, spielten eine wichtige Rolle für die Verbreitung der Werke Bachs in Russland, wo es nur wenige Orgeln gab. Daneben transkribierte er auch Kammermusikwerke von Felix Mendelssohn Bartholdy für Klavier.

An eigenen Kompositionen schuf er u. a. Symphonien, ein Klavierkonzert und Kompositionen für Klavier solo.[8]

Werke

  • Choralbuch. Enthaltend die Melodieen zu der Sammlung auserlesener Lieder von der erlösenden Liebe und den Liedern im Schatzkästchen von Johannes Gossner. Mit Stereotypen gedruckt. Tauchnitz, Leipzig 1825; urn:nbn:de:bvb:12-bsb10525144-5
  • Felix Mendelssohn Bartholdy: Ottetto pour (des instruments à cordes) 4 violons, 2 violes et 2 violoncelles: op. 20. Arrangement pour le piano par Jean Tscherlitzky. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1862.
  • Souvenir de Stenkino. Transcription de la célèbre Mazurka, Op. 7, de Chopin. Bernard, Petersburg.

Literatur

  • Tscherlitzky, Johann Heinrich, in: Salomon Kümmerle: Encyklopädie der evangelischen Kirchenmusik. Band 3. Bertelsmann, Gütersloh 1894, S. 672f.

Einzelnachweise

  1. Todesdatum nach dem Eintrag in der Erik Amburger-Datenbank; nach Ivan Karlovitch Tscherlitzky (Composer, Arranger). Bach Cantatas Website (englisch). musenc.ru – anderen Angaben: „6. Juni 1865“
  2. Feliks Purtov: Čerlickij, Ivan Karlovič, Biografie. In: MGG Online. RILM / Bärenreiter / Metzler, 2016, abgerufen am 11. Januar 2025.
  3. Casimir Lemmerich: Geschichte der evangelisch-lutherischen Gemeinde St. Petri in St. Petersburg. Band 1. Hermann Haessel, St. Petersburg 1862, S. 90
  4. Eintrag Otto Czerlitzky in der Erik-Amburger-Datenbank
  5. Eintrag Karl Czerlitzky. Erik-Amburger-Datenbank.
  6. Eintrag Alexander Tscherlitzky. Erik-Amburger-Datenbank.
  7. Glorification (Gossner’s). hymnary.org
  8. Feliks Purtov: Čerlickij, Ivan Karlovič, Werke. In: MGG Online. RILM / Bärenreiter / Metzler, 2016, abgerufen am 11. Januar 2025.

Quelle:

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Datum der letzten Bearbeitung: 21. Oktober 2025 um 23:07 Uhr
Datum des Abrufs: 25. Februar 2026, 17:32 Uhr
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Bildnachweise: 
Sankt-Petri-Kirche in St.Petersburg: A.Savin, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Lutherische St.-Katharinen-Kirche in St.Petersburg: Andrey Korzun, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Eingestellt am 25. Februar 2026