Gerechter Gott, uns liegt im Sinn (Geistlicher Liederschatz 1832 #583)

Zur Pestzeit.

Psalm 90, 15: Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, nachdem wir so lange Unglück leiden.

Mel.: Wo Gott der Herr nicht bei uns hält

1. Gerechter Gott, uns liegt im Sinn
Die schwere Straf‘ und Plage;
Viel wurden jetzt gerissen hin
Vom Tod an jedem Tage,
Indem die Pest, dein scharfer Pfeil
Herum da fleugt in schneller Eil‘
Von einem Ort zum andern.

2. Wir alle müssen nun vor dir,
O großer Gott, bekennen:
Dein Grimm hat Ursach‘. auch allhier
Und gegen uns zu brennen;
Denn wir gar leider allgemein
Nicht im geringsten frömmer seyn
Als die du jetzt heimsuchest.

3. Deshalben treten wir vor dich
In Herzzens=Reu‘ und Buße,
Wir fallen dir demüthiglich,
Gott unser Schutz, zu Fuße:
Die Pest und Seuchen von uns kehr‘,
Durch deine Güt und Allmacht wehr‘
Dem Engel, dem Verderber.

4. Ach Herr, erzeig‘ uns jetzt dein Heil,
Laß uns doch vor dir leben
Und auch an dir fort haben Theil,
Gesundheit gieb darneben,
Gleichwie man auch dem Auge thut,
So halt du uns in deiner Hut,
Daß wir bewahret bleiben.

5. Befiehl den Engeln auch hinfort,
Auf Händen uns zu tragen,
Daß wir seyn frei an allem Ort
Auf unserm Weg vor Plagen,
Wend diese Noth ab und Gefahr
Und vor der Pestilenz bewahr
Uns, die wir auf dich trauen.

6. Nun, Vater, thu was dir beliebt,
Wir wollen dir’s befehlen
wer sich in dei nen Willen giebt
darf nicht mit Sorg sich quälen
Ein Sperling ist sehr wenig werth
und fällt doch keiner auf die Erd,
wenn du es nicht verstattest.

7. Wir wissen, daß all‘ unser‘ Haar‘
Sind auf dem Haupt gezählet,
Es dient zum Besten immerdar,
Was du uns hast erwählet,
Du wirst uns allen groß und klein,
Was uns wird gut und selig seyn,
Bis an das End‘ verleihen.

8. Steh denen anderswo auch bei,
Die schon das Unglück troffen,
Gieb, daß ihr Glaub‘ beständig sey,
Laß in Geduld sie hoffen,
Daß du aus Gnaden ihnen doch
Mit Hülfe wirst erscheinen noch,
Es komm‘ auch, wie es wolle.

9. Gott Vater, Sohn und heil’ger Geist,
Der du zu allen Zeiten
Hast große Güt‘ und Macht erweis’t
In viel Gefährlichkeiten,
Behüt‘ uns auch nun gnädiglich,
Daß wir für alle Wohlthat dich
Stets hier auf Erden preisen.

Quelle:

Lied Nr. 583, in: Geistlicher Liederschatz, Sammlung der vorzüglichsten geistlichen Lieder für Kirche, Schule und Haus und alle Lebensverhältnisse. Berlin, bei Samuel Elsner. Gedruckt bei Trowitzsch und Sohn. 1832. [Seite 249; Digitalisat]

Weblinks und Verweise

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Eingestellt am 21. März 2026