Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen, und allerlei Übels wider euch reden, so sie daran lügen. Seid fröhlich und getrost, es wird euch im Himmel wohl belohnet werden.
Betrachtung zum 4. Mai
Die Jünger Jesu, die treu und offen zu ihm stehen und seine Sache vertreten, haben es schriftlich vom Herrn, daß sie von der Welt gehaßt werden, Matth. 10, 22; Matthäus 24, 9, Joh. 15, 18.19. Licht und Finsternis bleiben im Gegensatz. Ist nicht viel von diesem Gegensatz und Hass zu sehen, so steht es nicht richtig mit dem Geistesleben derer, die Jünger Jesu sein wollen. So lange der Feind keine Gefahr sieht, rumort er nicht; scheint aber das Licht helle, so begehren die Kinder der Finsternis auf. Schimpfreden, böse Nachreden, allerlei Verleumdungen und Lügen sind die gewöhnlichen Äußerungen des Zornes der Gottlosen, und es wird darin Großes geleistet. Unter Umständen wagt man es auch, sich am Leben und an der Person der Jünger des Herrn zu vergreifen. Wohl uns, wenn das Wort des Herrn in solchen Tagen gilt: „sie lügen“. Es könnte ja auch anders sein: man kann auch leiden müssen, wegen falschen Eifers, aus Torheit, Taktlosigkeit, oder wegen noch bedenklicherer Ursache. Das ist dann traurig und schadet der Sache des Herrn viel. Der Herr bewahre uns vor solchem selbstverschuldeten Leiden.
Leiden wir um Jesu willen, so heißt uns der Herr fröhlich und getrost sein. Diese Stimmung versteht sich nicht von selbst, man lernt sie nur im Leiden. Vielleicht leidest du erst mit innerem Widerwillen und hast keinen Segen; oder aber leidest du mit Geduld, ohne Faust in der Tasche; dazu gehört schon viel Gnade. Willst du aber fröhlich und getrost fein bei Schmach, Lästerung, Lügen und Verfolgung, so gehört noch mehr Gnade dazu. Diese Gnade hatten die Apostel und nach ihnen Tausende. Habe ich ein reines Gewissen, verzichte ich ganz auf alle Ehre der Welt, und habe ich erkannt, dass Leiden um Jesu willen das höchste Ehrenzeichen in dieser Welt ist, dann kann ich fröhlich und getrost sein. Unser Weg geht durch Leiden zur Herrlichkeit, und die Herrlichkeit ist unser großer Lohn im Himmel. Lass es sich nicht befremden, wenn der Heiland dir praktische Übung gibt, damit du erkennest, ob du unter Lästerung und Lügen fröhlich und getrost sein könnest. Ohne Praxis lernst du das nicht.
Herr, bringe mich in die Gemeinschaft Deiner Leiden, damit ich Dich allewege verherrliche.
Amen.
Quelle: Betrachtung zum 4. Mai, in: Suchet in der Schrift. Tägliche Betrachtungen für das ganze Jahr mit Anhang, Seite 125.
Von E. Schrenk. 2. Auflage, 32. bis 36. Tausend. Kassel. Druck und Verlag von Ernst Röttger, 1892.
Schriftstellen
Und ihr müsset gehaßt werden von jedermann um meines Namens willen. Wer aber bis an das Ende beharrt, der wird selig. (Matthäus 10, 22)
Alsdann werden sie euch überantworten in Trübsal und werden euch töten. Und ihr müßt gehaßt werden um meines Namens willen von allen Völkern. (Matthäus 24, 9)
So euch die Welt haßt, so wisset, daß sie mich vor euch gehaßt hat. Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich habe euch von der Welt erwählt, darum haßt euch die Welt. (Johannes 15, 18.19)
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Diese Schriftstelle ist der Tagesvers vom 1. September 2023 und vom 11. April 2026
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