Achtzehnte Trinitatis=Woche.
Mittwoch.
Gal. 3, V. 26 und 27: Denn ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christo Jesu, denn wie viele euer getauft sind, die haben Christum angezogen.
Auf die unantastbar gewisse Gottesthat der heiligen Taufe gründet der Apostel die Gotteskindschaft. Denn wer die Tauf=Gnade durch den Glauben ergriffen und angeeignet hat, der ist in Christum eingehüllt, wie in sein weißes Taufkleid. Das ist eine theuerwerte Lehre, die wir ja recht festhalten wollen, denn daran haben wir erstlich eine starke und unbesiegbare Wehr und Waffe wider alle Anläufe Satans, der uns immer bange machen will mit Dem, was wir gethan oder nicht gethan haben. Hier aber ist etwas ganz Anderes, nämlich Das, was Gott gethan mit der leibhaftig geschenkten Taufe, die da wirket Vergebung der Sünden, erlöst vom Tode und Teufel und giebt die ewige Seligkeit. Luther hat sich in Zeiten der Anfechtung auch immer seiner heiligen Taufe getröstet; das wollen wir auch thun. Sodann zum andern, haben wir hier aber auch einen scharfen Stachel, der uns treibet, Christum wirklich anzuziehen, will sagen, durch tägliche Reue und Buße zu ersäufen den alten Menschen, und wiederum hervorkommen zu lassen den neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist und in Gerechtigkeit und Reinigkeit lebt vor Gott ewiglich. Das wehret ab alle baptistische Irrlehre *). Erst die Taufe, dann der Glaube, und nicht umgekehrt, sonst hat der Teufel freies Spiel; denn wer will ihm beweisen, daß der Glaube stark genug sei, Christum anzuziehen. Dagegen, erst die That des lebendigen Gottes und Sein Gedankenwerk in uns: daraus erwächst dann der Glaube, wie aus dem guten Samen das gute Gewächs. Bleibet auch nur so Gott allein die Ehre, und wird allem eigenen Rühmen die Wurzel ausgerissen. Drum, liebe Seele, will’s Dir einmal bange werden wegen des hochzeitlichen Kleides, wenn der König kommt, seine Gäste zu besehen, fürchte Dich nicht, hier ist Dein Taufkleid, das soll Seinen Augen schon wohlgefallen.
Quelle:
Abend=Segen aus Gottes Wort zur täglichen Erbauung der Häuser und Herzen. Von N. Fries, Hauptpastor in Heiligenstedten (für alle Tage des ganzen Kirchenjahres). Itzehoe. Verlag von Ad. Nusser, 1887. [Seite 336; Digitalisat]
*) Anmerkung des Bearb.:
Zur Auseinandersetzung in der Tauffrage (Kindertaufe versus Glaubenstaufe) verweisen wir auf die Erkenntnis des (kirchlichen) evangelischen Pastors Julius Dammann:
„Ich glaube nicht, daß die Kindertaufe die Wiedergeburt ist; dagegen streitet die allgemeine Erfahrung, denn das wird keiner behaupten, daß alle Getauften wiedergeborene Christen sind…“
„So bleibt es denn leider die gewöhnliche Ordnung, daß der in dem Menschen schlummernde Keim des göttlichen Lebens durch Buße und Glauben geweckt und auf diese Weise eine neue Kreatur wird.“
Siehe auch die Predigt von Spurgeon: Wiedergeburt durch die Taufe?
Übersicht: Der Brief des Paulus an die Galater ─ Kapitel 3