Jeremia 2, 17.18: Was hilft’s dir?

“Solches machst du dir selbst, weil du den HERRN, deinen Gott, verläßt, so oft er dich den rechten Weg leiten will. Was hilft’s dir, daß du nach Ägypten ziehest und willst vom Wasser Sihor trinken?

Durch merkwürdige Wundertaten, durch mannigfaltige Gnadenerweisungen, durch erstaunliche Errettungen hatte sich Jehovah den Kindern Israel des vollsten Vertrauens würdig bewiesen. Dennoch rissen sie den Zaun nieder, mit dem Gott sie wie einen heiligen Garten umschlossen hatte; sie verließen ihren wahrhaften und lebendigen Gott und hinkten falschen Göttern nach. Der Herr strafte sie beständig durch sein Wort ob dieser Torheit, und unsre Schriftstelle zeigt uns, wie Gott in einem einzelnen Fall sie zurechtwies:

“Was hilft dir’s, dass du nach Ägypten ziehest, und willst des Wassers Sihor trinken?” Als ob Er sagen wollte: “Warum irrest du ferne von mir und verlässest die frischen Quellen vom Libanon? Warum verachtest du Jerusalem und kehrst dich zu Roph und Thachpanhes? Warum trachtest du so eifrig nach Unglück, daß du nicht willst zufrieden sein mit dem, was gut und heilsam ist, sondern eilest dem Trug und Bösen nach?”

Ist das nicht auch ein Wort der Warnung und Zurechtweisung für den Christen? O, du wahrhaft Bekehrter, der du von der Gnade berufen und mit dem teuren Blut Christi abgewaschen bist, du hast ein besseres Getränk gekostet, als die trüben Ströme, welche die Freuden dieser Welt fließen lassen; du hast Gemeinschaft gehabt mit Jesu; du hast die Freude erfahren, daß du Ihn sehen durftest und durftest dein Haupt an seinen Busen lehnen. Können dich die Lieder, die Ehren, die Freuden, der Tand dieser Erde nach solcher Gnade noch befriedigen? Hast du Engelbrot gegessen und kannst noch Freude finden an den Trebern dieser Welt? Der selige Rutherford sagt irgendwo: “Ich habe das Manna Christi geschmeckt, und es hat mir das Schwarzbrot der Freuden dieser Welt bis zum Ekel verleidet.” Es kommt mir vor, es sollte dir auch so zu Mute sein. Wenn du den Wassern Ägyptens nachirrst, o, so kehre doch schnell um zu dem einen lebendigen Quell! Das Wasser Sihor mag den Ägyptern wohl süß schmecken, aber für dich ist’s lauter Bitterkeit. Was hilft dir’s? Diese Frage legt dir der Herr heute abend vor, was willst du Ihm antworten?

“Aus Deiner Gottheit Heiligthum
Quillt uns Dein Heil, zu Deinem Ruhm.”

Quelle: Abendandacht zum 20. Juli, in Gold-Strahlen – Tägliche Abend-Andachten für häusliche Erbauung und stille Sammlung, von C.H. Spurgeon, Prediger in London. Dem deutschen Christenvolke dargeboten von Dr. Balmer-Rinck. Verlag von J.G. Oncken, Hamburg, 1869.

Schriftstellen (LUT 1912):

…vom Sihor an, der vor Ägypten fließt bis an die Grenze Ekrons gegen Mitternacht, die den Kanaanitern zugerechnet wird, (Josua 13, 3)

Also versammelte David das ganze Israel, vom Sihor Ägyptens an, bis man kommt gen Hamath, die Lade Gottes zu holen von Kirjath-Jearim. (1. Chronik 13, 5)

…und was von Früchten am Sihor und Getreide am Nil wuchs, brachte man zu ihr hinein durch große Wasser; und du warst der Heiden Markt geworden. (Jesaja 23, 3)

Was hilft’s dir, daß du nach Ägypten ziehst und willst vom Wasser Sihor trinken? Und was hilft’s dir, daß du nach Assyrien ziehst und willst vom Wasser des Euphrat trinken?
 (Jeremia 2, 18)

Lage des Wady al-Arish

Der Name Sihor bezeichnet einen der östlichen Arme des Nildeltas. Der Sihor (auch Sichor) wird in 1. Chronika 13, 5 als die südwestliche Grenze Palästinas genannt. Diese Bezeichnung könnte sich auch auf den Wady al-Arish beziehen, der auch „der Fluß Ägyptens” genannt wurde (nach: Bibelkommentare.de).

Blick auf den Wady el-Arish
(Bild: American Colony Jerusalem; Wikimedia Commons)