Johannes 8, 34.36

Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.
Wenn euch nun der Sohn frei macht, dann werdet ihr wirklich frei sein.

Wenn man sich mit der Sünde einläßt, ist’s, wie wenn man in eine Falle ginge, aus welcher man Mühe hat, wieder herauszukommen. Es gibt Menschen, die immer an der Sünde, wie an einer Lockspeise, herumschleichen. Es geht ihnen wie dem Mäuschen. Dem schnappt’s bei der geringsten Berührung, und es ist entweder tot oder gefangen. Die Sünde kann auch den Tod bringen, – ach! wie oft geschieht das! Wenn nicht so plötzlich, so wird doch, wer Sünde tut, der Sünde Knecht. Er ist gefangen, und kommt aus seiner Sünde kaum wieder heraus, daß er sie nicht immer und immer wieder tut, oft auch mit Seufzen. Da muß Gottes Erbarmen wieder heraushelfen.

Der Heiland redet aus einer Zeit, wo bei den Menschen alles noch natürlich lief, und keiner sich eigentlich loswinden konnte. Erst durch Ihn, den HErrn JEsum, ist die Möglichkeit geworden, aus den Klauen der Sünde wieder herauszukommen. Wem aber Seine Hilfe nicht wird, der macht, wenn er angefangen hat zu sündigen, fort und kann sich nicht bezwingen, bis er gar verderbt und ruiniert ist.

Darum, weil alle Menschen gesündigt und immer gesündigt haben, waren sie alle Knechte der Sünde, daß sie von dieser nicht mehr lassen konnten. Es war für sie eine Unmöglichkeit, von ihr loszukommen. Eben wider diese traurige Gefangenschaft zu kämpfen, ist unser HErr und Heiland gekommen. Er kann sagen: „Wen der Sohn frei macht, der ist recht frei.“ Du darfst nur Ihn hören, Buße tun und glauben, so kann Er helfen durch Seines heiligen Geistes Kraft.

Wer aber freilich sich wieder gefangen nehmen läßt, an dem hat häufig das Wort Christi seine Kraft verloren; und es kann mit ihm das Letzte ärger werden als das Erste. Doch ist der Heiland immer wieder bereit zu helfen; nur muß die Buße ernstlich und aufrichtig sein, und darf nicht neben der Buße, wie es auch vorkommt, ein Buhlen mit der Sünde da sein. Ach! nur die Sünde meiden, das, wovon der HErr gesagt hat: „Du sollst es nicht tun!” O der Toren, die es so leicht mit der Sünde nehmen, und sich vom Teufel gerne vorsagen lassen: „Einmal ist keinmal,“ oder: „Einmal schadet nicht,“ während schon Eine Übertretung in die Knechtschaft führt. Der HErr wolle uns vergeben, wo wir uns noch Sünder fühlen, und Seine Hand nach uns ausstrecken, um aus den greulichen Banden uns herauszureißen, welche etwa noch uns umschlungen halten.

Andacht: Christoph Blumhardt

Ach, was sind wir ohne JEsu?
Dürftig, arm und jämmerlich!
Ach, was sind wir? Voller Elend!
Jesu, ach, erbarme dich!
Laß Dich unsre Not bewegen,
Die wir Dir vor Augen legen!

Liedvers: Peter Lackmann (1659-1713)

Peter Lackmann, auch Lakemann (* 16. Februar 1659 in Lübeck; † 17. Oktober 1713 in Oldenburg in Holstein) war ein deutscher evangelischer Theologe und Dichter geistlicher Lieder.

Quelle: Glaubensstimme – Christliche Texte aus 2000 Jahren

Eingestellt am 05. Juli 2021 – Letzte Änderung am 25. Juli 2021