Erich Schnepel (1893-1986)

Erich Adolf Max Wilhelm Schnepel (* 30. März 1893 in Felsberg; † 21. Mai 1986 in Biedenkopf) war ein deutscher evangelischer Pastor. Bekannt wurde er als Missionsinspektor [1] (leitender missionarischer Mitarbeiter) bei der Berliner Stadtmission von 1919 bis 1945 und als theologischer Autor, insbesondere als Verfasser der Briefe aus dem Berliner Osten und aus Grossalmerode [2].

Leben

Schnepel wuchs in Kassel auf, da sich sein Vater als Beamter dorthin ans Gericht [3] versetzen ließ, und besuchte das Gymnasium bis zur Reifeprüfung. Als Abiturient wurde er gläubiger Christ und entschied sich für ein Studium der Theologie. Ab 1911 studierte er zunächst in Tübingen bei Adolf Schlatter, dann in Halle bei Karl Heim, Martin Kähler und Wilhelm Lütgert [4], wo er der Deutschen christlichen Studenten-Vereinigung (DCSV) beitrat. Von Wilhelm Philipps wurde er bei Sommer-Jugendlagern bleibend beeinflusst. Nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg setzte ihn die Berliner Stadtmission ab 1919 im Osten Berlins als Inspektor und Evangelist ein. Seine Ordination erfolgte am 2. Februar 1919 [5]. Wie sein Kollege Hans Dannenbaum schloss sich Schnepel unter dem Stadtmissionsdirektor Walter Thieme (* 18. November 1878; † 27. April 1945) [6] der Bekennenden Kirche an [7]. Nach der Absetzung bzw. dem erzwungenen Rücktritt Thiemes durch das NS-Regime stand sein Stellvertreter, Schnepel, der sich während der 1939 entbrannten Kämpfe mit der Gestapo als bekennender Christ bewährt hatte, vorübergehend an der Spitze der Berliner Stadtmission als geistlicher Leiter [8].

Er geriet 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft [9], nachdem er zuvor Anfang Mai 1940 von der Wehrmacht als früherer Offizier des Ersten Weltkrieges erneut eingezogen wurde [10]. Schnepel konnte nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft im Herbst 1945 durch vorherige Gemeindewahl eine Pfarrstelle in Großalmerode antreten, nachdem Bischof Dibelius, Berlin, ihn für einen Dienst als Gemeindepfarrer in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck freigegeben hatte [11]. Hier blieb er bis zur vorzeitigen Pensionierung Anfang Februar 1956. Er war jedoch weiterhin dort wohnhaft und ehrenamtlich tätig bis zum Umzug 1964 zu seinem Sohn, Pfarrer Theo Schnepel [12], und dessen Familie in den jetzigen Marburger Stadtteil Wehrda.

Erich Schnepel kam erstmals 1920 mit der 1913 gegründeten Pfarrergebetsbruderschaft (PGB) in Berührung und organisierte als ehrenamtlicher Vertrauensmann dieses „Kindes der Erweckung“ in der damaligen Mark Brandenburg Freizeiten, so genannte Pfarrerrüstzeiten [13]. Auf der ersten Tagung der PGB nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahre 1946, wurde beschlossen, Schnepel zum Schriftführer zu machen. Er übernahm diese Aufgabe mit Zustimmung des kurhessischen Bischofs Adolf Wüstemann und würdigte die von ihm organisierten Pfarrerrüstzeiten in Berlin und anderswo mit Teilnehmern aus der damaligen DDR vor dem Bau der Berliner Mauer 1961 als das Schönste in dieser Tätigkeit [14]. Schnepel sorgte Anfang der 1950er Jahre für den Bau einer evangelischen „Heimstätte“ in Grossalmerode, die zu einer „Akademie für Fragen des Baus der Gemeinde Jesu Christi“ und einer Begegnungsstätte zwischen West und Ost wurde. Schnepel und seine Frau fühlten sich immer als die „Beschenkten“, insbesondere dann, wenn sie mit den Pfarrerehepaaren jenseits der einstigen deutsch-deutschen Grenze zusammen kamen [15]. Die Berliner Stadtmission erhielt durch ihren ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden Erich Schnepel „Heimatrecht“ in seinem Büro in Großalmerode, vor allem in der Nachkriegszeit, als sie „durch die Grenzen der Besatzungszonen von ihrem ganzen Freundeskreis abgeschnitten“ war [16]. Bis in die 1950er Jahre hinein wirkte der Pfarrer von Großalmerode, Schnepel, als ehrenamtliches Mitglied im Vorstand des Vereins für Berliner Stadtmission tatkräftig mit [17].

Anlässlich des 75. Geburtstages von Erich Schnepel 1968 fand im Foyer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche für den Jubilar ein Empfang statt, auf dem Bischof Scharf gratulierte und ihm ein Buch als Geschenk überreichte [18].

Einzelnachweise

  1. Führer durch die evangelische Kirche und die kirchliche Liebesarbeit in Berlin. Bearbeitet und herausgegeben vom Evang. Verein für kirchliche Zwecke, verbunden mit dem Berliner Hauptverein für Innere Mission. 24. Ausgabe, Jahrgang 1920, Selbstverlag des Evangelischen Vereins, Kommissionsverlag der Evang. Vereinsbuchhandlung GmbH, Berlin, (1920), S. 160
  2. Erich Schnepel: Briefe aus dem Berliner Osten und aus Grossalmerode: Vom Ringen um die Lebensgestalt der Gemeinde Jesu Christi in der Gegenwart. Verlag Junge Gemeinde, Stuttgart, [Mehrteiliges Werk], Bd. 1 1953, Bd. 2 1950 (Neue Folge)
  3. Adressbuch für Kassel 1889; Schnepel, Emil, Landgerichts-Assistent, Unterneustädtischer Kirchplatz 8; später wurde er als Sekretär mittlerer Beamter am Amtsgericht Kassel.
  4. Catalogus Professorum Halensis, Wilhelm Lütgert
  5. Pfarralmanach für Berlin und die Provinz Brandenburg. Herausgegeben vom Evangelischen Konsistorium der Mark Brandenburg. Im Selbstverlag. Berlin 1920, S. 315: Abschnitt VI. Geistliche der äußeren und inneren Mission.
  6. K. Keim, O. Reschke, G. Wehner: Widerstand in Berlin gegen das NS-Regime 1933 bis 1945. Bd. 8; 2., erg. u. bearb. Aufl. 2012, Verlagsgruppe “trafo”, Berlin (2012) S. 56f. ISBN 978-3-89626-908-9
  7. Joachim Schmitsdorf: Vorwort zur Neuausgabe: Erich Schnepel: Jesus im Römerreich, Bethanien Verlag, Oerlinghausen 2012, S. 7; ISBN 978-3-935558-41-9
  8. 75 Jahre Berliner Stadtmission. Hrsg. im Auftrage des Vorstandes: Max Dietrich, Berlin, 1952, S. 16 und 59
  9. Erich Schnepel, in: Diener Jesu Christi. Bekannte Persönlichkeiten berichten aus ihrem Leben. Hrsg. Kurt Heimbucher/ Traugott Thoma, Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Bad Liebenzell, 1984, S. 131–136; ISBN 3-88002-232-1.
  10. Erich Schnepel, in: Diener Jesu Christi. Bekannte Persönlichkeiten berichten aus ihrem Leben. Hrsg. Kurt Heimbucher/ Traugott Thoma, Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Bad Liebenzell, 1984, S. 131
  11. Erich Schnepel: Ein Leben im 20. Jahrhundert. 2. Teil. 1930-1965. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal (1966), S. 98ff.
  12. Theo Schnepel: … bis dass er kommt. Ein Beitrag zur Mutterhaus-Diakonie aus Predigten und Ansprachen von Theo Schnepel anlässlich seines 65. Geburtstages. Hrsg. Volker Steinhoff, Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH, Marburg an der Lahn (1985); ISBN 3-88224-424-0
  13. Erich Schnepel: Ein Leben im 20. Jahrhundert. 2. Teil. 1930-1965. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal 1966, S. 124 ff.
  14. Erich Schnepel: Ein Leben im 20. Jahrhundert. 2. Teil. 1930-1965. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal (1966), S. 136 ff.
  15. Erich Schnepel: Ein Leben im 20. Jahrhundert. 2. Teil. 1930-1965. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal (1966), S. 147.
  16. Erich Schnepel: Ein Leben im 20. Jahrhundert. 2. Teil. 1930-1965. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal (1966), S. 125f.
  17. 75 Jahre Berliner Stadtmission. Hrsg. im Auftrage des Vorstandes: Max Dietrich, Berlin, 1952, S. 22
  18. Abbildung mit beschreibenden Bildtext in: Gott liebt diese Stadt. 100 Jahre Berliner Stadtmission. 1877 – 1977. Herausgeber: Berliner Stadtmission. Redaktion der Jubiläumsschrift: Siegfried Dehmel; S. 80

Quelle: Seite „Erich Schnepel“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 14. September 2020, 09:12 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Erich_Schnepel&oldid=203655405 (Abgerufen: 11. Oktober 2020, 12:37 UTC)