Gebet am Sonntag Abend

Herr, mein Gott und Vater!

Mit Mund und Herzen preise ich dich an dem Abende dieses Heiligen Tages für alles Gute, das du mir von meiner Kindheit an und auch heute an Leib und Seele erwiesen hast. Wie soll ich dir insbesondere danken für deine Liebe, die mich gerettet hat aus der Finsternis des Irrtums und für deine Gnade in Christo Jesu, die mich elenden und schwachen Menschen zur ewigen Freiheit und Seligkeit erheben will. Ach, was wäre ich ohne dein Wort und ohne den Trost deiner Verheißung! Herr, wie soll ich deinen Namen genug rühmen, wie soll mein Wandel ein Ruhm deiner Gerechtigkeit werden!

Vater, du weißt, daß ich allein nichts vermag. Siehe, ich suche dich, aber ich kann dich allein nicht finden; ich wünsche dein Licht, aber ich kann allein mich nicht erleuchten. Ich sehne mich nach deiner Gnade, aber ich kann allein sie nicht gewinnen; ich weiß deinen Willen, aber ohne deinen Beistand vermag ich ihn nicht zu erfüllen. Darum hilf du mir, da ich mir selbst nicht zu helfen vermag. Sende deinen Geist in mein Herz, daß er mich reinige, erleuchte, stärke und heilige. Laß dein Wort nicht vergebens an mir sein und gib, daß ich nicht bloß Hörer, sondern auch Täter desselben werde und die Frucht meines Glaubens, nämlich der Seelen Seligkeit davon trage. Wende dein Antlitz nicht von mir und entziehe mir nicht deine Gnade; führe mich stets auf rechter Bahn, und dein heiliger Geist tröste mich. Deine Güte walte auch in dieser Nacht über mir, über den Meinigen und über allen Menschen. Laß mich den kommenden Morgen gesund erleben, damit ich die Geschäfte meines Berufs im Aufsehen auf dich freudig fortsetze. Und einst, wenn mein irdisches Tagewerk zu Ende ist, laß mich dahin gelangen, wo ich dir mit allen Gerechten in ewiger Unschuld und Seligkeit dienen werde.

Amen.

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. (Epheser 1, 3)

Herr, es ist von meinem Leben
Abermal ein Tag dahin
Lehre mich nun Achtung geben
ob ich fromm geworden bin?

Zeige mir auch ferner an,
So ich was nicht recht getan;
Und hilf jetzt in allen Sachen
Guten Feierabend machen.

Liedvers: Kaspar Neumann (1648-1715)

Quelle:

Gesangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg, S. 620. Verlag & Comptoir des neuen evangelischen Gesangbuches. Stuttgart 1842.