Matthäus 24, 59

Und sie achteten es nicht, bis die Sintflut kam und nahm sie alle dahin; also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes.

Das ist auch ein Zeichen der letzten Zeit: Daß die Weltmenschen sich so sicher in ihrem Diesseits fühlen und alles Tun Gottes für nichts achten.

Nun, das hätten wir schon! Wer gründlich ausgelacht werden will; der braucht heutzutage in weltlicher Gesellschaft sich nur für Einen von der Sorte zu bekennen, die da glaubt an ein persönliches Wiederkommen Jesu zum Gericht. Mir ist’s auf einer großen theologischen Konferenz so gegangen, als ich mich auf die Wiederkunft Christi berief.

Was ist die modern gewordene soziale Fassung der ˝christlichen˝ Politik anders, als das Bestreben, ohne Jesu Wiederkunft hier alles in christlichem Sinn in Ordnung bringen zu wollen? Da achten sie es nicht, daß die Schrift an mehr als hundert Zeilen den Finger hebt und auf die Zukunft des Menschensohnes hinweist; da darf diese Erwägung selbst in vielen noch rechtgläubigen Kreisen gar nicht buchstäblich ernst genommen werden. Und doch bleibt es Wahrheit für unser Staatsleben, wie für die äußere Gestaltung der Kirche ebenso gut, wie für das Leben des einzelnen Christen: ohne die Zukunft Jesu in Herrlichkeit ist das Christentum nur ein halbes Werk, eine Ruine!

Jesus muß wiederkommen, um sein Wort einzulösen, mag der Gedanke zu unserem weltförmigen Christentum passen oder nicht! Sieh zu, ob du mit deinem Christenleben dazu stimmst!

Wir bitten dich, Herr Jesu, laß uns nicht verstrickt werden in Weltart und mag sie noch so fromm tun! Errette uns aus der verderbenden Weltzeit heraus und mache uns fertig, vor dir zu stehen, wenn du wiederkommst in Herrlichkeit!

Amen.

Samuel Keller
(1856-1924)

Quelle:

Andacht zum 15. Dezember, in: Lebendige Worte. Tägliche Andachten von Pastor Samuel Keller. [Download als pdf, Liz. CC BY-NC-ND 3.0 DE]