1. Johannes 3, 8

„Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre.“

So gewiß es ist, daß das Wort in Psalm 119, 105 Wahrheit ist: Dein Wort ist meines
Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege, so gewiß ist es, daß alle Verwerfung der
Autorität des Wortes Gottes den Verstand des Menschen verfinstert. Haben wir bisher
gesehen, daß die Verächter von Gottes Wort kein Verständnis haben vom Wesen der
Sünde, so müssen wir jetzt hinzufügen, daß sie noch weniger ein Verständnis haben von
der biblischen Lehre vom Teufel. Mit überlegenem Lächeln hören sie es an, wenn ein
gläubiger Christ vom Teufel, von einem Reich der Finsternis redet. Der Glaube an einen
Teufel, an ein Reich der Finsternis ist einem modernen Menschen mittelalterliche
Rückständigkeit; darüber ist er erhaben. Er ist sich so sehr bewußt, daß der Kulturmensch unseres Jahrhunderts die höchste Autorität ist, und darum erhaben ist über biblische Anschauungen, daß er mit Spott zur Tagesordnung übergeht, wenn man von einer Macht der Finsternis redet. Hat man durch die Offenbarung des Wortes Gottes erkannt, wie unzertrennlich die Sünde mit dem Satan zusammenhängt, so ist es klar, daß mit dem Verwerfen der biblischen Lehre von der Sünde und der Existenz des Teufels alle Möglichkeit dahinfällt, das Erlösungswerk Christi zu verstehen, der gekommen ist, die
Werke des Teufels zu zerstören. Darum ist es ganz folgerichtig, wenn der moderne
Mensch die Erlösung durch Christum verwirft und Selbsterlösung an deren Stelle setzt.
Dadurch verläßt er den Boden des Christentums und richtet eine neue Weltanschauung
auf, die mit der christlichen nur insofern zu tun hat, als man mit evangelischen Phrasen
operiert, um den Leuten Sand in die Augen zu streuen.

Wollen wir das Wesen der Sünde und die Macht des Teufels kennen lernen, so gehen
wir nicht zunächst zu den Männern, die mit blauer Brille hinter der Studierlampe sitzen,
sondern wir gehen auf die Gassen der Stadt und hören den Volksmund von einem
Saufteufel, einem Hurenteufel, einem Stehlteufel, einem Lügenteufel und einem
Hochmutsteufel reden. Wir gehen in die Baracken geschlechtskranker Soldaten, in die
Asyle kranker Dirnen, in die Gefängniszellen von Verbrechern, zu den Eltern, die über mißratene Kinder weinen, in die Gerichtssäle, wo Raufbolde, Diebe, Mörder und andere
Verbrecher abgeurteilt werden, zu unglücklichen Eheleuten, die einander das Leben zur
Hölle machen. Da machen wir unsere praktischen Studien über das Wesen der Sünde und
über die Macht des Teufels, und kommen zu der überraschenden Erfahrung: Gottes Wort
hat recht, wenn es die Sünde als eine furchtbare Macht schildert, hinter der der Satan
steht. Die Lehre von der Selbsterlösung des Menschen ist eine große Lüge verblendeter
Menschen, die man lächerlich nennen könnte, wenn sie nicht so entsetzlich ernst wäre.

(Elias Schrenk)

Quelle:

Die Waffenrüstung Gottes. Epheser 6, 10-20, ausgelegt für die Gemeinde von E. Schrenk. Kassel 1912. Pillardy & Augustin (vorm. Ernst Röttgers Buchdruckerei)