John Bunyan (1628-1688)

John Bunyan, by Thomas Sadler, oil on canvas, 1684

John Bunyan (* 28.11.1628 in Elstow bei Bedford; † 31.08.1688 in London) war ein englischer Baptistenprediger und Schriftsteller.[1]

Predigten:

Die überschwengliche Gnade an dem größten der Sünder

John Bunyan war Sohn des Kesselflickers Thomas Bunyan und seiner Frau Margaret und hatte zwei jüngere Geschwister. Er erhielt eine einfache Schulausbildung und erlernte danach den Beruf seines Vaters. 1644 wurde er im englischen Bürgerkrieg Soldat der Parlamentsarmee und war während der zweieinhalb Jahre seiner Dienstzeit vor allem im Newport Pagnell stationiert. Damals nahm er vermutlich Einflüsse radikaler puritanischer Prediger auf. Nachdem er 1647 nach Elstow zurückgekehrt war, wo er wieder als Kesselflicker arbeitete, durchlebte er eine tiefgreifende geistliche Krise und Bekehrung, die er in seinem 1666 veröffentlichten autobiographischen Werk Grace Abounding to the Chief of Sinners (dt.: Die Gnade Gottes Welche sich erstrecket auf die Größten Sünder, 1698) schildern sollte. Um 1653 schloss er sich durch die Gläubigentaufe im Fluss Ouse der Bedford Separatist Church, einer Baptistengemeinde in Bedford, an und trat bald darauf selbst als Prediger auf.[2]

1648 hatte er geheiratet und war Vater von zwei Töchtern (Mary und Elizabeth) und zwei Söhnen (John und Thomas) geworden. Der Familienname seiner ersten Frau ist unbekannt; ihr Vorname lautete wahrscheinlich Mary und sie lebte ungefähr von 1625 bis 1656. Ihre Frömmigkeit hat die religiöse Entwicklung ihres Mannes entscheidend geprägt. Etwa drei Jahre nach ihrem Tod heiratete Bunyan 1659 seine zweite Frau Elisabeth (ca. 1630–1691), die ihm die beiden Kinder Sarah und Joseph gebar.

Modellhafte Darstellung Bunyans in seiner Gefängniszelle, John Bunyan Museum, Bedford

Da Bunyan sich nicht der anglikanischen Staatskirche unterstellte und das nach der Restauration der Stuart-Monarchie erlassene Predigtverbot für Nonkonformisten missachtete, wurde er 1660 bei Harlington während eines Gottesdienstes verhaftet. Die nächsten zwölf Jahre musste er im Gefängnis verbringen. Die Haftzeit wurde jedoch offenbar in vergleichsweise liberaler Weise vollzogen, da Bunyan während seiner Inhaftierung nicht nur verschiedene theologische Schriften verfassen, sondern auch in geringem Umfang Geld für den Unterhalt seiner Familie verdienen und mitunter sogar an Treffen seiner Gemeinde teilnehmen konnte. So wob er während seiner Gefängniszeit Strumpf- und Schuhbänder und schrieb ebenfalls mehrere literarische Werke, unter anderem sein autobiographisches Erbauungsbuch Grace Abounding.

Bunyan betrachtete diese lange Zeit der Trennung von seiner Ehefrau und seinen vier Kindern, darunter eine blinde Tochter, als den schwersten Teil einer Prüfung, die er glaubte, um Christi willen auf sich nehmen zu müssen. Seine vorangegangene Bekehrung beschreibt er als Kampf mit Satan, den er zeitweilig in der Form von Tieren oder Gegenständen wahrnimmt. Des Öfteren fühlt er sich wehrlos gegen die Versuchungen und wirft sich in den Schmutz, um sich auf diese Weise an gottlosen Äußerungen zu hindern. Dabei wird ihm das Prädestinationsdogma beinahe zur geistig-seelischen Falle, da es Satan das Argument liefert, dass Bunyan für seine Erlösung nichts tun könne oder aber nichts tun müsse.

Die Rettung findet er, indem sein Glaube an die göttliche Gnade größer ist als die drohende spirituelle Resignation. Formal wendet sich Bunyan in seinem Bekehrungsbericht an seine Familie, de facto richtet sich seine Erbauungsschrift jedoch an die Gemeindeöffentlichkeit, was sich auch in der sehr wirkungsvollen Verknüpfung von persönlichem, bildsprachlichem und faktisch-dokumentarischem Stil spiegelt.[3]

Quelle: Wikipedia (DE)