23. Juli

Jesus spricht zu ihr (zu Martha): Habe ich dir nicht gesagt, so du glauben würdest, du solltest die Herrlichkeit Gottes sehen?

(Johannes 11, 40)

Der Herr übt die Seinigen in der großen Glaubenskunst; und nur der kann von ihren Glaubensübungen geringe Gedanken hegen, der sie entweder gar nicht, oder nur wenig kennt. Der Herr hat Mittel und Wege genug, um die Seinigen in allerhand Gedränge von innen und von außen geraten zu lassen. Er weiß sie auf mancherlei Weise zu züchtigen, und kann allerlei Not über sie verhängen. Er versteht es schon, sie aller sichtbaren und empfindlichen Stützen zu berauben, so gänzlich zu berauben, dass ihnen in der Tat und Wahrheit nichts übrig bleibt, als Gott allein: seine Verheißungen, seine Macht, seine Treue und seine Allgenugsamkeit; dass ihnen nichts übrig bleibt, als auf ihn, den Lebendigen, zu hoffen, auch wenn er sie sollte töten wollen.

Eine solche Lage scheint so bedenklich, dass man mit Petro sagen möchte: Das widerfahre dir nur nicht!

Aber solche Umstände müssen vorhergehen, wenn Jesus sich als ein Meister im Helfen, als ein wirklicher Nothelfer, wie er beim Daniel heißt, soll erweisen können. Und da dankt man ihm wohl, wenn er uns treulich gedemütigt hat; treulich, das ist mit seiner verborgenen Unterstützung, so dass man es ertragen konnte, wenn man auch umzukommen besorgte. Er macht’s immer wohl, er mag betrüben oder trösten, töten oder lebendig machen. Führt er in die Hölle, so führt er auch wieder heraus. Lässt er viele und große Angst erfahren, er macht auch wieder lebendig, sagt der in Gottes Wegen geübte David.

Gewiß, der Herr ist eine Wunderliebe,
Er führt hinein, daß er erretten kann,
Verzäunt und öffnet auch zugleich die Bahn.
Sein Weg hat Grund, ob’s hell ist, oder trübe.
Ihr Herzen, ei, daß ihr das nicht begreift,
Und euch nicht stets auf diesen Felsen steift!

Aus: Krummacher, Gottfr. Daniel: Tägliches Manna für Pilger durch die Wüste (neu herausgegeben von J. Haarbeck, Pastor in Elberfeld)

Lernvers: Johannes 11, 40